Zu Höchstzeiten erschienen zwei von drei Inserate des Finanzministeriums in Boulevardmedien. Die WKStA vermutet einen Zusammenhang mit positiver Berichterstattung.
Mit"Kronen Zeitung","Heute" und"Österreich" stehen die drei größten Boulevardmedien Österreichs im Verdacht, am Missbrauch von Steuergeld profitiert zu haben.– so lautet der Verdacht der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft . Die Beschuldigten weisen diesen Vorwurf von sich. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Klar ist jedoch: Die Boulevardmedien erhalten in Österreich überproportional viele Inserate der öffentlichen Hand. Die WKStA vermutet, dass zumindest Werbung des Finanzministeriums bei"Österreich" ab 2016 und bei"Kronen Zeitung" und"Heute" ab 2017 verwendet worden sein soll, um für geschönte Berichte über Ex-Kanzler Sebastian Kurz zu sorgen.
Ein Blick auf die Zahlen zeigt: Tatsächlich explodierten die Inseratenausgaben des Finanzministeriums ab 2017. Allerdings wurden dabei die Leserinnen und Leser der verschiedenen Tageszeitungen bei Weitem nicht im selben Ausmaß informiert. So zahlte das Finanzministerium etwa 2020 in"Heute" und"Österreich" doppelt so viel für Inserate wie in der Kleinen Zeitung – obwohl die Kleine Zeitung mehr Menschen erreicht.
Dennoch ist es nicht verwunderlich, dass"Heute"-Herausgeberin Eva Dichand Schmid Anfang 2017 auf"Unverhältnismäßigkeiten" in der Inseratenschaltung aufmerksam gemacht haben soll: 2016 erhielt die Zeitung"Österreich" mit rund 411.000 Euro mehr als selbst die weit reichweitenstärkere"Kronen Zeitung" mit rund 323.000 Euro. Auch"Heute" stieg mit ca. 161.000 Euro mit weniger Inseratengeldern aus dem Finanzministerium aus.
Der frühere Kanzler Christian Kern und der frühere Vizekanzler Reinhold Mitterlehner bezeichneten die jüngsten Verdachtsmomente im Zusammenhang mit der Affäre Dichand am Dienstag als massive Gefährdung der Demokratie. Der von Kurz abgelöste Mitterlehner sprach gegenüber der"Tiroler Tageszeitung" von"gekaufter und erkaufter Politik". Kern konstatiert:"Die 2017er-Wahl wurde manipuliert ohne Ende.