Ukraine-Geflüchtete in Berlin: Unter einem Dach

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Dörte und Frank aus Berlin haben vor drei Monaten drei Ukrainerinnen aufgenommen. Was heißt es, so lange als eigentlich Fremde zusammenzuleben?

Maryna und Salma ziehen sich häufig ins Gästezimmer zurück, sie wollen nicht zur Last fallen Foto: Doro ZinnAntje Lang-Lendorff 21.5.2022, 18:50 Uhr

Über 600.000 UkrainerInnen wurden seit Kriegsbeginn in Deutschland registriert, vor allem viele Frauen und Kinder. Diese Zahl umfasst auch jene, die in andere Länder weiter- oder wieder in die Ukraine zurückgereist sind. Genaue Daten gibt es nicht, auch nicht zur Art der Unterbringung. In einer Befragung des Bundesinnenministeriums von Ende März sagten jedoch fast zwei Drittel der befragten Geflüchteten, sie hielten sich in privatem Wohnraum auf.

Maryna und Salma verschwinden ins Gästezimmer. Großmutter Nina, blondiert und in weißen Puschen, hantiert mit dem Wasserkocher. Nach über vier Wochen kennt sie sich gut in Dörtes und Franks Küche aus. Sie macht sich einen Tee mit Honig und zieht sich dann ebenfalls zurück. Die Ukrainerinnen sprechen kein Deutsch und kaum Englisch, sie werden später von ihren Erlebnissen erzählen, wenn eine Dolmetscherin der taz dabei ist.

Dörte wiederum stammt aus der Nähe von Hamburg. Ihr Großvater war General der Wehrmacht, befehligte den Balkanfeldzug und wurde bei den Nürnberger Prozessen angeklagt. Ihre Mutter floh im Zweiten Weltkrieg aus Ostpreußen. Dörte engagierte sich nach dem Abitur bei der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste und beschäftigte sich auch als Erwachsene viel mit dem Zweiten Weltkrieg.

Frank kümmerte sich um die Aufenthaltserlaubnis und auch um das Sozialamt. 300 Euro bekommt Nina, Maryna und ihre Tochter Salma erhalten 450 Euro. Dörte organisierte für Salma einen Platz an einer nahegelegenen Grundschule. Ein Konto bei einer deutschen Bank brauchen die Frauen auch. Und einen Deutschkurs. All das organisieren Dörte und Frank neben ihren Jobs. „Wir sind die Generation, die dafür die mentalen Reserven hat“, sagt Frank.

Seit sie zu fünft in der Wohnung sind, wird auch der Balkon als Kühlschrank genutzt. Ein Topf Suppe steht dort, Nudeln schwimmen darin. Nina koche jeden Tag, manchmal zweimal, erzählt Frank. Kostengünstige Suppen aus Hühnerklein. „Ich kenne das noch von meinen Großeltern.“ Nina bietet ihnen das Essen an. Frank isst mit, auch wenn er manchmal eigentlich nicht möchte. „Nina ist hartnäckig“, sagt er. Dörte lehnt ab, sie ist Vegetarierin.

Maryna arbeitete als Kindermädchen bei Freunden. Kurz vor Putins Angriff war sie bei Ikea, um ein Bücherregal und eine kleine Kommode zu kaufen. „Alle redeten davon, dass es vielleicht Krieg gibt, aber ich konnte mir das nicht vorstellen“, sagt sie. Am 24. Februar weckte sie der Anruf ihrer Freundin: „Pack deine Sachen, der Krieg hat begonnen.“ Sie fuhren zur Moschee, dort ließen sie den Papagei zurück, im Auto ging es weiter in die Karpaten.

„Wir hatten wirklich Glück“ In der Halle am Hauptbahnhof seien viele deutsche Familien gewesen, die Flüchtlinge aufnehmen wollten, erinnert sich Nina. „Eine andere Frau wollte uns auch, aber Dörte war schneller.“ Es sei schon merkwürdig gewesen, auf einmal in einem Auto mit Menschen zu sitzen, die sie gar nicht kannten, sagt Maryna. „Aber ich war zu müde, um über all das nachzudenken.“ Frank habe in der Nacht noch Pizza besorgt.

Die UkrainerInnen befinden sich in einer ungleich schwierigeren Lage als die Gastgebenden, sie haben alles verloren und wissen nicht, wie es weitergeht. Die private Unterbringung ist für viele besser, als in einer Sammelunterkunft zu wohnen. Und doch hat sie auch ihre unangenehmen Seiten. Nina kocht jeden Tag, manchmal zweimal. Einfache Suppen aus Hühnerklein. Frank isst mit, auch wenn er manchmal nicht möchte. Dörte nicht, sie ist Vegetarierin

Zuständig für die Unterbringung von Kriegsflüchtlingen sind die Länder. Die Berliner Sozialverwaltung schreibt auf Nachfrage, dass ukrainische Geflüchtete, die keine Bleibe haben und Berlin zugewiesen werden, zunächst in Gemeinschaftsunterkünften unterkommen. Es wäre schrecklich für Maryna und Salma, würde Nina in der Ukraine in Not geraten. Auch bei Dörte und Frank ist die Sorge, dass Nina etwas zustoßen könnte, groß. Sie schafft es über Dnipro bis nach Bachmut im Osten der Ukraine. In der Nähe will sie die Frontlinie durchqueren. Drüben, auf der anderen Seite, kennt sie sich aus, da würde es schon gehen, glaubt sie, die Russen ängstigen sie nicht.

Ihre Haare hat Nina sich inzwischen rötlich gefärbt. In Berlin fühlt sie sich weiterhin nicht gut. „Maryna versteht nicht, warum ich so traurig bin.“ Für ihre Tochter sei es leichter, die sei jung. „Sie findet den Gedanken an eine Zukunft in einem anderen Land aufregend.“ Frank glaubt inzwischen, dass es für Dörte und ihn aufgrund der ungleichen Lebenssituation kaum möglich sei, eine normale Beziehung zu Nina, Maryna und Salma aufzubauen. „Alles ist überdeckt von der permanenten Abhängigkeit.“Dörte hat Quiche vorbereitet mit Spinat und Schafskäse. Die Ukrainerinnen helfen den Tisch zu decken, dann essen sie gemeinsam.

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