Hinreißend spielt Emma Thompson eine pensionierte Lehrerin, verführerisch agiert Daryl McCormack als bezahlter Lover in einem Kammerspiel von Sophie Hyde.
Leo Grande behauptet seiner Mutter und seinem Bruder gegenüber, er würde auf einer Bohrinsel arbeiten. Ein guter Trick, um nie im Büro besucht zu werden und auch schlechten Handyempfang vorzutäuschen. In Wirklichkeit bietet er anderen Menschen für Geld ein paar schöne Stunden mit ihm an – Gespräche, Händchenhalten; im Grunde geht es um Sex.
Die Australierin Sophie Hyde inszeniert das Kammerspiel des ungleichen Paars pandemiegerecht fast ausschließlich in einem Hotelzimmer, mit eingeblendeten Kapitelüberschriften „Meeting 1“, „Meeting 2“ wie in Theater-Akte unterteilt. Je mehr die beiden voneinander wissen, desto verzweigter werden ihre Gespräche und abenteuerlicher die Sex-Bemühungen. Das klingt grob, bleibt aber britisch dezent.