In Kreuzberg herrscht Regulierungswut, in Friedrichshain Mallorca-Imperialismus: Das sind die Berliner Ecken, in denen wir gerne unsere Abrissbirne schwingen würden.
Einst eine charmante Einkaufsstraße mit trödeligem Flair und einem netten Angebot an Cafés, ist die Bergmannstraße jetzt ein Leuchtturm städteplanerischen Versagens. Unter dem Squid-Game-Motto „Alle gegen alle“ werden Fußgänger, Rad- und Autofahrer so gegeneinander ausgespielt, dass es überall nur Verlierer gibt.
Vor ein paar Jahren noch schien es eine Etikette unter den Freaks im Wrangelkiez zu geben, eine Art inoffizielle Straßenverkehrsordnung, die, für alle anderen unsichtbar, ihre Wege regelte. Jeder hatte seine angestammte Ecke, einen vor Missgunst sicheren Platz zur freien Entfaltung der Persönlichkeitsspaltung, der nicht selten an ein Eigenrecht auf Rausch gekoppelt war. Dabei kamen sich die Freaks selten in die Quere.
Heute ist der Wrangelkiez ein Ort, der sein Gleichgewicht verloren hat. Aus Trotz wollte man hier dreckig bleiben und wohnt jetzt in einer begehbaren Müllhalde. Mit weniger Tütchen, dafür mehr Ampullen.
Wir hegen jedoch den Hintergedanken, nach dem Spielplatzbesuch mal wieder fancy essen zu gehen, was am Stadtrand nun wirklich nicht möglich ist. Bis wir dem Kleinen allerdings die Fusion-Gerichte auf der Karte übersetzt und erklärt haben, drängelt die Bedienung schon mit Hinweis auf die draußen wartenden Gäste. Gemütlich ist anders.
Man darf nicht so weit gehen, den ganzen Stadtteil abzureißen. Angesichts der drängenden Wohnungsnot in der Hauptstadt und der wirtschaftlichen Unsicherheit der bleiernen Wendejahre muss man sich fragen: Wohin mit den armen Menschen?Nun gehört der Wandel zum menschlichen Leben. Auch der graue Stadtteil Pankow darf sich dem Fortschritt nicht verwehren. Wer nicht mit der Zeit geht, der geht eben mit der Zeit.
Doch tagtäglich wird sie von jenen verunstaltet, die auch schon eine ganze Insel an sich gerissen haben: von biersaufenden Touristen aus Deutschland und England, mit komischerweise immer hochrot angelaufenen Köpfen und extrem lautgrölendem Organ. Der Mallorca-Imperialismus macht eben vor nichts und niemandem halt und hat es auch mitten nach Berlin geschafft.
United States Latest News, United States Headlines
Similar News:You can also read news stories similar to this one that we have collected from other news sources.
SBK-Versagen kein Wunder: Aprilia bevorzugt MotoGPTrotz vollmundiger Ankündigungen kann Aprilia in der Superbike-WM 2017 von Podestplätzen bislang nur träumen. «Wir stehen mit unserer Arbeit erst am Anfang», sagt Rennchef Romano Albesiano.
Read more »
Gloria, Viktoria!: Vor 150 Jahren wurde die Berliner Siegessäule enthülltZunächst sollte das Monument nur den Sieg im Deutsch-dänischen Krieg glorifizieren. Aber dann kam’s anders. Der Bau dauerte viel länger. Und zur Eröffnung gab’s viel Bohei.
Read more »
'Ein wahres Juwel': Gamer-Dad findet voll funktionsfähige PS3 mit seltener Abwärtskompatibilität im MüllDie meisten PS3-Konsolen sind nicht mit PS1 UND PS2 abwärtskompatibel. Diese hier schon und dementsprechend ist sie relativ wertvoll - und sie wurde...
Read more »
„Ohne Therapie bleibt er gefährlich“: Berliner muss zehn Jahre ins Gefängnis wegen KindesmissbrauchsSchwerer sexueller Missbrauch: 128 Übergriffe auf vier Jungen konnte das Gericht einem Mann aus Berlin nachweisen. Seine Revision gegen das Urteil blieb erfolglos.
Read more »
Spaziergangsmonat im Berliner Südwesten: Laufen ist gesund, kostenlos und gut für das KlimaIn Steglitz-Zehlendorf sind feste Schuhe und Wanderstöcke gefragt: Das Bezirksamt hat den September zum Aktionsmonat erklärt. Bei den 13 Touren geht es auch um den Klimawandel.
Read more »
Aidshilfe und Berliner Queer-Beauftragter kritisieren: Auch neue Blutspende-Richtlinien diskriminieren schwule MännerAm Donnerstag hat die Bundesärztekammer eine neue Blutspende-Richtlinie vorgestellt. Doch die sei voll stigmatisierender Annahmen, kritisieren Organisationen queerer Menschen in Berlin.
Read more »