«Frauenquote? Total überholt»

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«Die Zeit der Genderstereotype ist vorbei. Ein erweitertes Körperkonzept und eine neue Freiheit tut not.» (Abo+)

Quote oder nicht Quote? Dass Künstlerinnen in den Schweizer Museen unterrepräsentiert sind, verrät schon ein Blick auf die geplanten Ausstellungen von 2020 . Auch in den Leitungspositionen von Kunstinstitutionen, von Tanz- und Theaterhäusern gibt es einen Männerüberhang.

Sollte man sämtliche subventionierten Kulturbetriebe zur Einhaltung einer Frauenquote verpflichten, weil sich auf der Basis von Freiwilligkeit ganz offensichtlich zu wenig bewegt? Wir baten eine hiesige Künstlerin um ihre Meinung dazu – die ihre Videokunst, ihre Installationen und Performances schon an Orten wie dem Museum of Modern Art in New York, der Documenta in Kassel, dem Art Institute in Chicago, der Tate Modern in London und dem Stedelijk Museum in Amsterdam präsentieren konnte. Als Choreografin und Tänzerin weiss Alexandra Bachzetsis ausserdem, was es bedeutet, mit dem Körper zu arbeiten, ihn zu exponieren. Und auch, wie sich kulturelle Unterschiede auswirken, wie sie sie etwa in der griechischen Heimat ihrer Familie erfahren hat. Gleichzeitig zählt die Mutter eines Sohnes im Primarschulalter ihrerseits zu jenen Figuren im Betrieb, die Personalentscheide fällen: Sie bestimmt die Zusammensetzung der Performance-Gruppe, mit der sie gerade auftritt, selbst. Und da kommen nicht nur Frauen zum Zug. Die Trägerin des Swiss Art Award und des Zürcher Kunstpreises , 1974 in Zürich geboren, zeigt jetzt in der Limmatstadt ihre neue Arbeit «Chasing a Ghost» – und auf der Bühne agieren fünf Männer und zwei Frauen. Uns erklärt sie, wieso.«Eine Festlegung oder Einschränkung nach Geschlechterquote wäre für mich eine problematische Idee. Sie hätte etwas von einem Kuchenrezept, in dem einfach alles paritätisch zusammengemixt wird: 500 Gramm Mehl, 500 Gramm Butter, 500 Gramm Zucker, 500 Gramm Zimt – egal, ob schmeckt, was dabei herauskommt. Mit so einer Beschränkung schneidet man sich als Kunstschaffender ins eigene Fleisch. Als Künstlerin muss ich freie Wahl haben und will keine plakativen Entscheidungen fällen müssen, die nicht mit der Logik der Arbeit einhergehen.Wider falsche Harmonien in der Kunst Ich möchte nicht, dass wir im Gespräch über Geschlechtergerechtigkeit fünf Schritte rückwärtsgehen. Ich will ja selber nicht in der Kategorie ‹Frau› beurteilt werden in meinem Arbeitsfeld, sondern als kunstschaffende Person. Ausserdem gilt: Kunst – und Körper – ist immer politisch und beruht auf einem physischen Dialog. Für mich gibt es keine unpolitische Kunst. Kunst zu machen, ist ein persönlicher und politischer Akt. Mit Körpern zu arbeiten, exponiert existierende Machtverhältnisse der Gesellschaft. Eine künstliche Harmonie der Geschlechtergerechtigkeit auf der Bühne wäre eine Vertuschung der wahren Verhältnisse, die ja sehr oft Ungleichheit und Unterdrückung involvieren – und diese ist nicht limitiert auf die Unterdrückung von Frauen.Zugegeben, die ‹männliche, weisse, heterosexuelle Macht› ist immer noch sehr dominant: Alles ist stark durch den männlichen Blick geprägt – und viel zu weiss hier. In erster Linie müsste man darüber nachdenken. Aber ich kann nicht die Idee unterstützen, die Qualität von Menschen zu verurteilen wegen ihrer Hautfarbe, ihres Geschlechts. Es geht um ihre Arbeit, Einzigartigkeit, ihre Darbietung in Kunst und Gesellschaft.Mich interessieren das Experiment und der Dialog: Das ist nachhaltiger als jede Riesenchose, die nach Rezept gebraut wurde. Als Körperkünstlerin lässt man sich auch auf physische Dialoge ein, lotet spontan und konzeptionell Grenzen aus. Ich will einen freien Umgang pflegen und mich frei ausdrücken können, politisch und persönlich. Meine künstlerische Praxis zeigt mir zudem, dass die Aufteilung in Männer und Frauen heute total überholt ist. Besonders in der Kunstszene, wo es so viele Menschen gibt, die sich nicht einem einzigen Geschlecht eindeutig zugehörig fühlen.Trotzdem: Ich finde es super, wenn man mit so vielen Frauen wie möglich arbeitet. Bei meinem neuen Stück ‹Chasing a Ghost› sind wir fast ein all-female Team, von Soundkonzept über Kostüm- und Kommunikationsdesign bis hin zu Dramaturgie. Auf der Bühne repräsentieren die drei tanzenden Männer dann etwas ganz Spezifisches: Ich brauche sie – ihre Arbeitskörper – hier als Gegenpole zu mir und meiner Co-Performerin für meine Auseinandersetzung mit dem Unheimlichen und den Verfremdungsprozessen. Mit den beiden Livepianisten wiederum habe ich erstmals 2017 am Moma zusammengearbeitet: Ich wusste, dass die Chemie stimmt und die zwei technisch und charismatisch exakt das, was ich in dieses Stück legen will, perfekt beherrschen. Kontinuität ist in meinen Arbeitsprozessen wichtig.In der Regel sind im Tanzbereich bei den Auditions rund drei Viertel der Kandidatinnen Frauen; allerdings nicht unter den Choreografen. Männliche Tänzer haben es daher im Verhältnis leichter, einen Job zu kriegen. Rückblickend kann ich sagen: Ich habe mehr mit Frauen als Männern gearbeitet, bei ‹Show Dance› zum Beispiel mit 14 Frauen, bei ‹Soiree› mit 12 Frauen. In beiden Stücken war das ein Mehrwert und aus inhaltlichen Gründen stimmig. Grundsätzlich: Die Inhalte sollten die Priorität haben, nichts anderes.Zensur ist falsch. Dennoch: Die #MeToo-Bewegung hat nötige Anstösse gegeben und Frauen Mut gemacht, die nicht das Privileg hatten, sich so frei auszudrücken, wie ich das beispielsweise hatte und habe. Schaut man sich in der Welt um, ist die Mehrzahl der Frauen noch immer diskriminiert. Und gerade in der Branche der Performing Arts ist die Grenze zwischen angemessener und unangemessener Berührung oft fliessend. Frauen wie Männer sollen darin unterstützt werden, ihre Stimme zu finden und sich zu wehren bei Übergriffen. Allerdings hat #MeToo auch zu Vorverurteilungen und Rufmord geführt; das finde ich hochproblematisch. Ich persönlich hatte nie unter solchen Übergriffen zu leiden, stellte mich aber aus Prinzip auch nie bei solchen Choreografen und Intendanten vor, denen in der Szene ein gewisser Ruf vorauseilt. Handkehrum habe ich im Kunst- und Tanzbetrieb Männer kennen gelernt, die äusserst professionell und respektvoll mit den Frauen in ihrem Team und den Künstlerinnen umgehen und die auch viel mit Frauen kooperieren und Frauen anstellen: etwa der Kurator Stuart Comer vom Moma in New York oder der Kurator Hendrik Folkerts vom Art Institute in Chicago. Vielleicht sollte man sich in der aufgeregten Diskussion klarmachen, dass die Fixierung auf das biologische Geschlecht ohnehin ein vorgestriger, destruktiver Ansatz ist.Die Jugend ist längst weiter. In meinen Seminaren an der Kunsthochschule Genf sitzen nicht wenige genderfluide Menschen. Die kommen an einem Tag in einem Look aus der männlichen Garderobe, dann wieder in einem Outfit aus der Damengarderobe. Wie sollte man das festnageln – und wozu? Sie sind androgyn unterwegs. Die Zeit der Genderstereotype ist vorbei. Ein erweitertes Körperkonzept und eine neue Freiheit tut not. Es ist die Aufgabe der Schule von heute, allen einen Weg des Denkens zu vermitteln, der nicht an Stereotype gekoppelt ist. Dann erledigt sich die Frage nach der Quote von allein.» Aufführungen von «Chasing a Ghost» in der Schweiz: Gessnerallee Zürich, 30.1.–3.2.; Kaserne Basel, 5.2./6.2.; Théâtre Vidy Lausanne, 31.3./1.4.

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