Der französische Staat intensiviert den Kampf gegen die Lumpy-Skin-Krankheit: Mit zusätzlichen Ressourcen, einer ausgeweiteten Impfkampagne und verschärften Kontrollen soll die Ausbreitung der Rinderseuche gestoppt werden.
Bei an Lumpy-Skin-Disease erkrankten Rindern bilden sich in der Haut Knoten von 0,5 bis 5 cm Durchmesser.In Frankreich hat der Kampf gegen die Lumpy-Skin-Krankheit die höchste politische Ebene erreicht.
Wie Premierminister Sébastien Lecornu am Dienstag ankündigte, wird der Staat zusätzliche Ressourcen mobilisieren, um die Impfkampagne zur Eindämmung der Rinderkrankheit auszuweiten und zu beschleunigen. Nach Angaben des Regierungschefs soll der Impfkorridor im Südwesten des Landes auf die Départements Tarn und Hérault ausgedehnt werden. Offiziellen Angaben zufolge müssen damit etwa 750’000 Tiere immunisiert werden. Ausweitung der Impfkampagne Allein im Département Ariège sollen rund 1’000 Betriebe betroffen sein; laut Regierung werden die Bestände in dieser Gebietskörperschaft bis zum 31. Dezember vollständig geimpft sein. Um das versprochene Tempo zu erreichen, sollen neben Tierärzten im öffentlichen Dienst auch Studierende der Veterinärmedizin, Freiwillige sowie Militärtierärzte eingesetzt werden. Die Verantwortung für die Durchführung der Kampagne wird den jeweiligen Präfekten übertragen.Die wichtigste Rolle für die Verbreitung spielt die indirekte Erregerverbreitung durch stechende Insekten , Milben und Zecken. Die Übertragung ist auch durch direkten Tierkontakt, infiziertes Sperma, unbehandelte Tierhäute und Felle und deren Produkte , Rohfleischprodukte, Rohmilchprodukte und durch daraus gewonnenes Tierfutter inklusive Kolostrum möglich. ats Militär und Zivilschutz in der Logistik Um die zügige Verteilung der Vakzine zu gewährleisten, werden laut Regierung Logistiker der Streitkräfte und des Zivilschutzes eingesetzt. 500’000 Impfdosen werden nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums derzeit bereits in der betroffenen Region verteilt. Ab dem 18. Dezember rechnet Paris damit, eine weitere Charge mit 400’000 Dosen ausliefern zu können. Auch Polizei und Gendarmerie werden eingebunden. Sie sollen die Durchsetzung der Biosicherheitsauflagen sicherstellen. In den betroffenen Départements gilt ein Verbot für Rindertransporte. Zuwiderhandlungen werden der Regierung zufolge mit einer Strafe von 750 Euro pro transportiertem Tier sowie mit einem Strafverfahren geahndet. In Paris geht man davon aus, dass Verstösse gegen das Transportverbot zur anhaltenden Verbreitung der LSD beitragen. Finanzielle Hilfe für Kleinbetriebe Lecornu kündigte zudem einen Fonds zur direkten Unterstützung von betroffenen Kleinbetrieben an. Bereitgestellt werden sollen mehr als 10 Mio. Euro; flankierend sind Erleichterungen bei Steuern und Sozialabgaben vorgesehen. Dem Regierungschef zufolge sollen von Keulungen betroffene Kleinbetriebe ausserdem Unterstützung beim Wiederaufbau ihrer Herden erhalten. Zumindest in den Fachverbänden des französischen Bauernverbandes lösten die Ankündigungen des Regierungschefs keine Begeisterung aus. Zwar unterstützt der Verband die Linie der Regierung im Kampf gegen die LSD, die Pariser Bemühungen scheinen dem FNSEA jedoch nicht auszureichen. Die Rindfleischerzeuger fordern, deutlich grössere Mengen an Impfstoff vorzuhalten; mehrere Millionen Dosen gelten aus ihrer Sicht als unabdingbar. Proteste aus der Landwirtschaft Aus Sicht der Milchviehhalter bestehen derweil Zweifel daran, ob es sich bei dem jüngst angekündigten Unterstützungsfonds um zusätzliches Geld handelt. Sie halten es für möglich, dass bereits im September angekündigte Mittel gemeint sein könnten. Einig sind sich beide Sektoren allerdings darin, dass die derzeit angesetzten Entschädigungen zu gering ausfallen. Die vorgeschriebene Keulung von LSD-betroffenen Herden stösst im landwirtschaftlichen Berufsstand seit längerem auf wachsenden Widerstand. Am Dienstag waren im Südwesten des Landes den siebten Tag in Folge wichtige Verkehrswege blockiert worden. An den Aktionen beteiligten sich offiziellen Angaben zufolge mehr als 3’000 Personen. Ein Ende der Proteste scheint vorerst nicht in Sicht. Ermittlungen nach Drohungen Mittlerweile befasst sich auch die Justiz mit dem Thema. Medienberichten zufolge hat die Staatsanwaltschaft von Bergerac Ermittlungen eingeleitet, nachdem der Präsident eines regionalen Veterinärverbandes im Zusammenhang mit den Keulungen Morddrohungen erhalten hatte. Der Präsident der nationalen Tierärztevereinigung, Jacques Guérin, sprach gegenüber Medienvertretern von «inakzeptablem Druck» und Telefonterror. Nach seinen Angaben wird unter anderem in den sozialen Medien dazu aufgerufen, Kliniken niederzubrennen.Die Krankheit befällt Rinder, Büffel und Bisons und verursacht wirtschaftliche Verluste, die hauptsächlich durch Milchleistungsrückgang und Schäden an der Haut bedingt sind. Bei von Lumpy Skin Disease befallenen Rindern bilden sich in der Haut Knoten von 0,5 bis 5 cm Durchmesser. Die betroffenen Hautstellen sterben nach fünf bis sieben Wochen ab. Die Tiere zeigen ausserdem Symptome wie Fieber, Antriebslosigkeit, Appetitlosigkeit, Nasen- und Augenausfluss sowie vergrösserte Lymphknoten. Die Krankheit ist jedoch nur in sehr seltenen Fällen tödlich. Die Lumpy-Skin-Krankheit ist eine hochansteckende und somit meldepflichtige Tierseuche. Wer Tiere hält oder betreut, muss Verdachtsfälle dem Bestandestierarzt oder der Bestandestierärztin melden. Für den Menschen ist die Krankheit nicht gefährlich.
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