Die Tränen des Propheten: Ein emotionaler José Mourinho führt die ewig erfolglose Roma ins Finale der Conference League in Tirana gegen Feyenoord Rotterdam. Szenen einer devoten Liebe von OliverMeiler
Die Ansprache zur Familie war eine kommunikative Meisterleistung, selbst wenn sie nicht geplant war, eine wunderbare Übertreibung. In diesem Wettbewerb geht es ja nur um den kleinsten europäischen Pokal, die Champions League für die Armen, bei seiner ersten Vergabe überhaupt. Der Gegner: Feyenoord Rotterdam, herzlich gehasst in Rom, nachdem seine rotzigen Fans den schönen Brunnen von Bernini auf der Piazza di Spagna einmal profaniert haben.
Als die amerikanischen Besitzer der Roma im Frühsommer vor einem Jahr bekannt gaben, dass sie Mourinho in die Stadt bringen würden, den einst phänomenal erfolgreichen und zuletzt etwas weniger glücklichen Trainer, da war zunächst viel Ungläubigkeit:"Der Special One - tatsächlich, zu uns?" Als wären die Stadt, der römische Fußball und der Verein mit dem bekannten Namen nicht würdig.
Mourinho versteht die Italiener, das ist seine Stärke. Er kann auch mal über die soziale Bedeutung des Musikfestivals von Sanremo dozieren, weil er sie studiert hat. Seine ständige Weinerlichkeit über unliebsame Schiedsrichter? Sie wird hier gerne geteilt, sie schweißt zusammen. Einmal sagte er:"Sie wollen uns das Recht wegnehmen, Spiele zu gewinnen." Wir gegen den Rest der Welt - Mourinhos alter Trick funktioniert, er diente manchmal auch der Ablenkung.
Er klagte auch mal über das dürftige Niveau seiner Mannschaft, was für die nicht gerade nett war, und rief sie dazu auf, sich selbst auf sein Niveau zu hieven. Es hörte sich so an, als habe er eine Provinztruppe geerbt. Doch so schwach ausgestattet ist die Roma gar nicht.